Gastbeitrag: Jens C. Laue (KPMG)

Die digitale Zukunft der Corporate Governance

Nicht viele Begriffe werden heutzutage so mit Bedeutung aufgeladen wie „Digitalisierung“: Sie ist das Etikett für fast alles, das mit IT oder Automatisierung und ihren Möglichkeiten zu tun hat. Im Hinblick auf Unternehmen macht sich die Digitalisierung insbesondere in drei Teilbereichen bemerkbar: Geschäftsmodelle, Interne Abläufe & Prozesse sowie in der Überwachung & Steuerung.

Schon längst ist klar: Die Digitalisierung wandelt unsere Geschäftsmodelle. Noch vor wenigen Jahren sprachen wir von „Händlern“, „Entwicklern“ oder „Banken“. Diese Trennung ist aber nicht zuletzt seit dem Aufstieg von Amazon und Apple hinfällig. Immer mehr Unternehmen bieten sektorübergreifende Güter- und Dienstleistungen an und entwickeln sogar eigene digitale Zahlungssysteme. Neben dieser horizontalen Integration von Geschäftsmodellen lässt sich auch eine vertikale Integration erkennen: Stufen der Wertschöpfung wurden in der Vergangenheit zur Fokussierung auf das Kerngeschäft und zur Optimierung der Kostenstruktur an Dritte ausgelagert, werden heutzutage jedoch wieder stärker in das eigene Geschäftsmodell integriert.

Wer also an tradierten Geschäftsmodellen festhält setzt sich der Gefahr aus, redundant zu werden und seinen Wettbewerbern mit entsprechenden Strukturen einen Vorteil zu geben.

Zusätzlich findet durch den wachsenden Grad der Automatisierung ein zunehmender Teil der unternehmensinternen Prozesse nicht mehr manuell beobachtbar, sondern digital versteckt in den IT-Systemen statt. Meiner Erfahrung nach lassen sich in den Unternehmen drei Stufen der Digitalisierung bzw. Automatisierung beobachten. Die einfachste und bereits seit längerem beobachtbare Form ist die Systemintegration, die aus den verschiedensten Unternehmensteilen und entsprechenden IT-Systemen Daten verknüpft und durch Makros und Skripte entsprechend prozessiert. In der zweiten Stufe werden zum Abbau manueller Tätigkeiten unstrukturierte Daten wie Dokumente, Emails, Bilder oder Stimmaufzeichnungen durch Medien für den weiteren Prozessablauf verfügbar und auswertbar gemacht. Die letzte Entwicklungsstufe stellt dann die kognitive Automatisierung dar, in der lernende Systeme eigenständig Entscheidungen im Prozessablauf tätigen.

Doch auch im „digitalen Zeitalter“ findet die Prüfung von Prozessen und Kontrollen noch vergangenheitsbezogen über Stichproben statt. Unternehmensleitungen sollten sich jedoch nicht mehr bloß mit Informationen über vergangene Kontrollschwächen und Transaktionsfehler zufrieden geben, sondern insbesondere Echtzeitinformationen fordern um auch auf drohende Risiken rechtzeitig reagieren zu können. Wo solche Systeme vor einigen Jahren noch am Mangel verfügbarer Daten scheiterten, schafft die Digitalisierung die Möglichkeit der Echtzeitauswertung.

Diese Entwicklung hat auch unmittelbaren Einfluss auf Vorstände und Aufsichtsräte. Noch immer findet die Kommunikation zu den Steuerungselementen der Unternehmen durch Regelberichte zu Aufbau und Wirksamkeit der Corporate Governance Teilsysteme statt. Diese Form der Berichterstattung wird unter Berücksichtigung bestehender Echtzeitauswertungen, in Zukunft nicht mehr haltbar sein.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.