Schweigende Aufsichtsräte? Eine Replik auf Manuel Theisen

Der Corporate-Governance-Experte Manuel René Theisen hat sich Ende vergangener Woche in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt Deutschlands Aufsichtsräte vorgeknöpft und weit verbreitete Kompetenzüberschreitungen moniert. So dränge es sie „immer häufiger in die Medien, vor die TV-Mikrofone und in die Yellow Press der Wirtschaft“. Dabei sei „Schweigen unverändert das Gebot der Stunde“. Das ist uns – mit Verlaub – zu pauschal. Sicher: Plaudertaschen haben in Aufsichtsräten nichts zu suchen; im Zweifel ist die Verpflichtung zur Verschwiegenheit eng auszulegen.

Reden kann Gold sein – wie bei Ulrich Lehner

Dennoch halten wir es für wichtig, dass sich Kontrolleure zu aufsichtsratsspezifischen Themen äußern – und zwar nicht nur im Dialog mit Investoren, sondern gerade in kritischen Phasen auch gegenüber Medien und Öffentlichkeit. So hat ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seinen CEO Heinrich Hiesinger vor einigen Wochen in einem Interview gegen Angriffe des Investors Cevian verteidigt – und dadurch wieder Ruhe reingebracht. Entscheidend ist natürlich, dass Aufsichtsräte in Gesprächen mit Journalisten nicht anfangen, über Operatives zu schwadronieren (wie jüngst Reinhold Hilbers, NordLB). Das Beispiel zeigt: Die Frage ist nicht, ob Kontrolleure mit den Medien sprechen – sondern aus welchen Motiven und über welche Themen.

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