Aufsichtsräte: Wie Mario Draghi Deutschlands Banken reformiert

Nachdem die deutsche Finanzaufsicht BaFin das Thema lange eher stiefmütterlich behandelt hat, macht die EZB ernst und nimmt die Aufsichtsräte von Banken strenger ins Visier. Das bekam jüngst die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu spüren: Die Experten von EZB-Chef Mario Draghi monierten, dass der 36-köpfige Verwaltungsrat um den Vorsitzenden Gerhard Grandke (SPD) zu groß sei, um effiziente Diskussionen zu führen. Das Gremium, in dem zahlreiche Vertreter der Sparkassen, der beiden Bundesländer und der Kommunen sitzen, muss deshalb nun auf 27 Mitglieder schrumpfen.

Was die Helaba und die FIFA gemeinsam haben

Wir meinen: Die EZB hat Recht. Riesen-Gremien neigen zu langwierigen Debatten und lähmenden Koordinationsprozessen, obwohl angesichts des digitalen Wandels in besonderem Maße schnelle Entscheidungen gefragt sind. Und was bringen „agile“ Strukturen, wenn der Verwaltungsrat umso länger braucht? Hinzu kommt: Mit der Zahl der Mitglieder wächst die Gefahr, dass sich der eine auf den anderen verlässt (ein Problem, dass wir beispielsweise beim 37-köpfigen FIFA-Rat sehen). Allerdings geht es Mario Draghi und seinen Aufsehern nicht nur um die Gremiengröße, sondern auch um die Kompetenz. So kritisieren sie berechtigterweise, dass unter den 18 Verwaltungsräten der Landwirtschaftlichen Rentenbank nur drei Banker sind. Selbst Kritiker von „Super-Mario“ sollten ihm deshalb zugestehen, dass er Professionalisierung der Aufsichtsräte vorantreibt.

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