Aufsichtsrat der Woche: Richard Pott und die Covestro-Nervensägen

Der Aufstieg von Covestro in den Dax ist der – hoffentlich vorläufige – Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte. Die einstige Bayer-Kunststoff-Sparte, die 2015 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, gilt heute als „Paradebeispiel einer Abspaltung“ (Handelsblatt) – und damit als Vorbild für andere Konzerne, die angesichts der Digitalisierung agiler werden wollen und einzelnen Sparten mehr Unabhängigkeit gewähren. „Ganz entscheidend war und ist, dass wir schnellere Entscheidungen in eigener Verantwortung treffen können“, sagt der designierte Vorstandschef Markus Steilemann. Diese Freiheit habe bei den Mitarbeitern „Energie freigesetzt“.

Wenn Aufsichtsräte „besonders unangenehme Fragen“ stellen

Ein wichtiger Baustein ist darüber hinaus aus unserer Sicht der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Richard Pott (64), der nicht (wie aktuell etwa bei Siemens-Healthineers) von Managern der einstigen Mutter dominiert wird – und vermutlich genau deshalb ein hohes Maß an „Energie freisetzender“ Unabhängigkeit zuließ. Hinzu kam: Die Aufsichtsräte haben ihren Job offenbar ernst genommen und die Pläne des Managements kritisch hinterfragt: Auf dem Deutschen Aufsichtsratstag im November 2016 attestierte CEO Patrick Thomas dem Gremium, „besonders unangenehme Fragen“ zu stellen. Ein größeres Lob kann es für Aufsichtsräte nicht geben. Und so dürfen Richard Pott, Rolf Nonnenmacher, Christine Bortenlänger und Co. den Dax-Aufstieg auch als ihren Erfolg verbuchen.

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