Mitbestimmung: Wenn Populisten in die Aufsichtsräte drängen

Sie haben es vermutlich gelesen: Jüngst hat die AfD-nahe Liste Zentrum Automobil bei den Betriebsratswahlen im Daimler-Werk in Untertürkheim fast 15 Prozent der Stimmen erhalten, womit sie nun sechs von 48 Betriebsräten stellt. Auch bei ThyssenKrupp und SAP haben Mitarbeiter Gruppen gegründet, die in populistischer Manier das gewerkschaftliche „Establishment“ kritisieren und einfache Lösungen propagieren. Und das könnte nur der Anfang sein – auch anderswo rechnen sich solche Gruppen Erfolgschancen aus. Nicht zu Unrecht, meint der Münchner Arbeitssoziologe Dieter Sauer – und verweist unter anderem darauf, dass Betriebsräte bisweilen „als Teil des Managements wahrgenommen werden“.

Leadership: Zuhören, ernst nehmen, glaubwürdig argumentieren

Vorstände und Aufsichtsräte stehen damit vor einem Dilemma: Einerseits wünschen sie sich im Rahmen der Mitbestimmung kooperative, pragmatische Betriebsräte und vor allem Arbeitnehmervertreter. Andererseits könnte genau dieser Pragmatismus dazu führen, dass sich Beschäftigte abwenden und AfD-nahe Betriebsräte wählen (die dann womöglich irgendwann auch in die Aufsichtsräte drängen). Was also tun? Wir meinen: Vorstände sollten den Austausch mit sämtlichen Mitarbeitern suchen – sei es im Rahmen von Versammlungen, via Chat im Intranet oder beim Mittagessen. Dort müssen sie zuhören, ernst nehmen und dann glaubwürdig erklären, warum ihre Entscheidungen im Interesse des gesamten Unternehmens sind (maßvolle Managergehälter dürften dabei übrigens hilfreich sein). Dann kann ein Teamgeist entstehen, der Populisten den Nährboden entzieht – die Unzufriedenheit.

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