Managergehälter: Von der „geheimen Sehnsucht“ der Deutschen

Der Autor Florian Illies hat in der aktuellen „ZEIT“ eine „geheime Sehnsucht des deutschen Volkes nach einer Gehaltsobergrenze“ konstatiert. Damit dürfte er richtig liegen, vermuten wir – erlauben uns aber den Hinweis: Einfache Lösungen haben ihren Reiz, werden der komplexen Realität aber eben häufig nicht gerecht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Managergehälter sind vielerorts weiter zu hoch und zu intransparent. Und dass Ex-VW-Chef Michael Müller, auf den Illies Bezug nimmt, zehn Millionen Euro einstreicht, während Millionen Diesel-Fahrer schmerzhafte Wertverluste hinnehmen müssen, ist in der Tat schwer nachvollziehbar (und im Übrigen eine Steilvorlage für populistische Kapitalismus-Kritiker vom linken und rechten Rand).

Keine Pauschallösungen – aber auch kein „Weiter so“

Andererseits lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Unternehmen im (internationalen) Wettbewerb um die besten Management-Talente stehen. Und das müssen Aufsichtsräte eben auch mal tiefer in die Tasche greifen dürfen, als es auf den ersten Blick angemessen scheint. Gerade in der IT-Branche mit ihrem hohen Gehaltsniveau wären nationale Obergrenzen ein Wettbewerbsnachteil. Die Skepsis gegenüber pauschalen Regeln sollte allerdings niemanden verleiten, auf dem Status Quo zu beharren.

FDP will Aufsichtsräte stärker in die Pflicht nehmen

Wir brauchen vielmehr eine fundierte Debatte darüber, wie sich der Trend zu höheren Managergehältern umkehren lässt, ohne in die unternehmerische Freiheit über Gebühr zu begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu schwächen. Interessant finden wir in diesem Zusammenhang den Vorschlag des FDP-Wirtschaftsexperten Volker Wissing, der neben den Investoren (deren Einfluss durch die Aktionärsrechterichtlinie steigen dürfte) auch die Aufsichtsräte stärker in die Pflicht nehmen will. Zudem sollten Kontrollgremien verstärkt darüber nachdenken, inwieweit sie Manager-Talente mit nicht-finanziellen Anreizen locken können. Geld ist schließlich nicht alles.

DCGIBoardNews

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