Aufsichtsräte in Konzernen: das Kaeser-Zetsche-Dilemma

Aufsichtsräte von Konzerntöchtern sind bisweilen eine Farce. Denn machen wir uns nichts vor: Manche gibt es nur, weil das Aktienrecht es vorschreibt. De facto wird sowieso durchregiert, Konzern- bzw. Holding-Vorstände übernehmen automatisch die zentralen Positionen in den Kontrollgremien und holen mal mehr, mal weniger unabhängige Experten dazu (meistens weniger). Von unabhängiger Überwachung im Sinne der VARD-Berufsgrundsätze kann dann keine Rede sein.

Was ist die neue Freiheit für einzelne Sparten wert?

Das wird angesichts der digitalen Transformation immer öfter zu einem Dilemma. Denn zahlreiche Vorstandschefs von Joe Kaeser (Siemens) bis Dieter Zetsche (Daimler) haben zwar erkannt, dass Unternehmen schneller Ideen entwickeln und umsetzen müssen – und ihren Sparten und Töchtern deshalb folgerichtig mehr Freiheit für eigene Entscheidungen ohne langwierige Abstimmungen im Konzern gegeben. Doch was ist die neue Freiheit wert, wenn der Aufsichtsrat von der Mutter dominiert wird? Wir sehen die große Gefahr, dass über den Umweg Aufsichtsrat Entscheidungen doch wieder verzögert oder gar blockiert werden, weil man sich bei der Mutter erst abstimmen muss. Deshalb plädieren wir für mehr Mut zur Unabhängigkeit – auch in Konzernaufsichtsräten.

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