Overboarding: Die Liste der gescholtenen Multi-Aufsichtsräte

Was haben Richard Berliand (Deutsche Börse), Günther Bräunig (Deutsche Post), Wolfgang Eder (Infineon), Jürgen Hambrecht (Daimler) und Wolfgang Reitzle (Linde) gemeinsam? Sie mussten sich in der laufenden HV-Saison harsche Kritik von Investoren und/oder Aktionärsberatern anhören: Wegen ihrer hohen Arbeitsbelastung als Vorstände oder Multi-Aufsichtsräte hätten sie nicht genug Zeit für das jeweilige Mandat, argumentierten Ivox Glass Lewis (mit Blick auf den Ex-JP-Morgan-Banker Berliand und Voestalpine-Chef Eder) sowie die Fondsgesellschaften Deka Investments (mit Blick auf den früheren BASF-Chef Hambrecht), DWS (mit Blick auf KfW-CEO Bräunig) und Union Investment (mit Blick auf Reitzle).

HV-Abstimmungen: Wer wird der erste Verlierer?

Bislang stimmte dennoch stets eine Mehrheit der Aktionäre für die Gescholtenen; nur Berliand muss noch bis zur Deutsche-Börse-HV am 16. Mai zittern. Aber angesichts der geballten Kritik scheint es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Kandidat wegen Overboarding scheitert. Und wir sind zwar skeptisch, was pauschale Limits für die Anzahl der Mandate angeht, weil Organisationstalent, Leistungsbereitschaft und -fähigkeit sowie private Verpflichtungen eben ganz unterschiedlich ausgeprägt sind. Aber Kandidaten sollte nicht nur klar sein, dass eine professionelle Aufsichtsratsarbeit Zeit erfordert – sondern auch, dass der Aufwand für ein Mandat in bestimmten Phasen plötzlich und deutlich wachsen kann. Das scheinen nicht alle ausreichend einzukalkulieren.

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