Die Aktionäre der Lufthansa haben auf der Hauptversammlung am Dienstag eine Satzungsänderung abgesegnet, durch die auch der Aufsichtsrat den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen will: Auf Vorschlag von Gremienchef Karl-Ludwig Kley gelten bei Sitzungen künftig auch Mitglieder „als anwesend“, die „durch Telefon- oder Videokonferenz“ zugeschaltet sind. Zudem darf die Wochenfrist für Einladungen „in dringenden Fällen […] angemessen verkürzt werden“. Aus unserer Sicht besonders wichtig: Der Aufsichtsrat, dem unter anderem Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer und Henkel-CFO Carsten Kobel angehören, kann künftig auch „mit Hilfe sonstiger elektronischer Kommunikationsmittel“ Beschlüsse fassen.

Auch Aufsichtsräte müssen sich neu erfinden

Das Kalkül ist klar: Wer von Vorständen „Agilität“ fordert, muss mit gutem Beispiel vorangehen – und bei Bedarf schnelle Entscheidungen fällen können. Starre Einladungsfristen, der Versand von Dokumenten per Kurier und Präsenzzwänge sind deshalb Anachronismen; das Gebot der Stunde sind digitale „Boardrooms“ und flexible Regularien. Doch Vorsicht: Regelmäßige Treffen in der realen Welt bleiben nach unserer festen Überzeugung auch im Zeitalter der Digitalisierung wichtig – fürs Teambuilding (das leider viele Aufsichtsräte unterschätzen), aber auch für die Diskussionskultur. Wer neue Optionen zum Vorwand nimmt, sich zuhause einzuigeln, hat in Aufsichtsräten nichts verloren.